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Der Weg des Abwassers

Viele denken, wenn sie das Wort „Kanalisation“ hören an den berühmten Nachkriegsfilm „Der dritte Mann“, in dem sich Orson Welles als „Harry Lime“ eine aufregende Verfolgungsjagd mit der Polizei durch die Wiener Kanalisation liefert. So spektakulär ist das Kanalnetz des Abwasserverbandes Wiener Neustadt-Süd nicht, aber nicht weniger imposant. Auf einer Gesamtlänge von mehr als 75 Kilometer werden die Abwässer aus den Mitgliedsgemeinden und von der Firma W. Hamburger GmbH in Hauptsammelkanälen zur Verbandskläranlage Wiener Neustadt geleitet. Dabei fließen die Abwässer zum überwiegenden Teil im freien Gefälle. Nur die Abwässer aus Lichtenwörth und Neudörfl werden mit Hilfe von Pumpwerken befördert. Einzigartig ist auch, dass für den Weg der Abwässer durch die Kläranlage keine Hebung notwendig ist. Der Hauptsammelkanal West führt ausschließlich im freien Gefälle von Neunkirchen zur Verbandskläranlage. Der Hauptsammelkanal Ost kommt von Seebenstein und mündet in Kleinwolkersdorf in den Hauptsammelkanal West. Weitere Sammelkänale fungieren als Zubringer der Abwässer aus Wartmannstetten, Sautern, Klingfurth, Schleinz und Eichbüchl. Die Ortsnetze werden von den Kommunen autonom betrieben und sind in dieser Aufstellung nicht erfasst.  Damit das Kanalnetz den technischen und gesetzlichen Anforderungen genügt, bedarf es außerdem einiger Entlastungsbauwerke wie z.B. Regenüberläufe, Regenüberlaufbecken und Stauraumkanälen sowie Druckleitungen und Pumpwerken.

Zahlen & Fakten

Mehr als 93 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen, das ist ein sehr hoher Versorgungsgrad. Ein hundertprozentiger Anschlussgrad an öffentliche Entsorgungsnetze ist aufgrund der österreichischen Topographie und damit verbundener Demografie – man denke nur an Streulagen oder (vor)alpines Gebiet – unrealistisch.     

  • Das öffentliche Kanalnetz misst insgesamt 89.690 Kilometer.
  • Die Abwässer werden in über 1.841 kommunalen Anlagen und tausenden Kleinkläranlagen gereinigt und behandelt.
  • Seit 1959 wurden rund 44,4 Milliarden Euro in die Abwasserentsorgung investiert. 
  • 70 bis 80 Prozent davon flossen direkt in den Netzausbau.
  • Auch ein aktuell gutes Netz kann zum Problemfall werden, wenn die regelmäßige Wartung bzw. Sanierung vernachlässigt oder gar ausgesetzt wird. Das System zu kennen, seine möglichen Schwachstellen im Auge zu behalten und auf Schadensfälle vorbereitet zu sein, ist daher wichtig.
  • Schäden im Abwassernetz können im Extremfall rasch unangenehme Folgen haben: Rückstau, Überschwemmung, Geruchsbelästigung und eine für Mensch und Umwelt gefährliche Kontaminierung der Böden und des Grundwassers. In großen Städten und Gemeinden mit hoher Bevölkerungsdichte und großem Verkehrsaufkommen wirken sich Leitungsgebrechen schnell auf andere Infrastrukturbereiche aus: z.B. Straßensperren wegen Wasserrohrbrüchen oder Kanalarbeiten zur Hauptverkehrszeit. Die Anzahl der Betroffenen bei großen Schäden ist in dicht besiedelten Gebieten ungleich höher.